Elektronik-Montagerichtlinien IPC J-STD-001 und IPC-A-610 aktualisiert für neue Technologien

 

Von Terry Costlow, IPC Online-Redakteur

Zwei der wichtigsten Montagerichtlinien der Branche, IPC J-STD-001, Requirements for Soldered Electrical and Electronic Assemblies (Anforderungen an gelötete elektrische und elektronische Baugruppen) und IPC-A-610, Acceptability of Electronic Assemblies (Abnahmekriterien für elektronische Baugruppen), wurden aktualisiert und enthalten jetzt neue technische Kriterien wie Lot auf Kunststoff-Bauteilkörpern, Schutzbeschichtungen und zwei neue Bauteil-Anschlusstypen. Die Aktualisierungen enthalten einige sprachliche Klarstellungen an Stellen, wo Formulierungen als verwirrend oder nicht gut definiert empfunden worden sind.

Die Richtlinien werden oft als begleitende Dokumente verwendet. Auch wenn sie sich bezüglich ihrer Kriterien häufig überlappen, dienen sie jedoch unterschiedlichen Zwecken. IPC J-STD-001 behandelt Material- und Prozessanforderungen und wird während der Produktion benötigt. IPC-A-610F ist eine Abnahme-Richtlinie, die nach der Herstellung anzuwenden ist, um sicherzustellen, dass elektronische Baugruppen die Abnahmekriterien erfüllen. In den Arbeitskreisen, die diese Dokumente entwickeln, sind zum großen Teil die gleichen ehrenamtlichen Mitglieder aktiv.

Die Mitglieder des Arbeitskreises erarbeiteten die neuen Ausgaben aufgrund technologischer Weiterentwicklungen. Dabei betonten sie die Wichtigkeit, dass sie die Besten verfügbaren Informationen benutzen konnten.

 „Das Motto ‚wir vertrauen auf Daten’ gilt immer, wenn wir technische Veränderungen vornehmen“, sagte Teresa Rowe, Leiterin Montagetechnologie beim IPC.

Eine der wichtigsten Änderungen beschäftigt sich mit dem vermehrten Einsatz von Kunststoffgehäusen. In der Vergangenheit durfte das Lot den Bauteilkörper nicht berühren, um nicht potenziell künftige Ausfälle zu verursachen. Aufgrund der immer kleiner werdenden Gehäuse ist es schwieriger geworden, den Kontakt zu vermeiden und gleichzeitig genügend Lot bereitzustellen, um eine zuverlässige Verbindung sicherzustellen.

 „Wir haben keine Ausfälle gefunden, die durch Lot verursacht worden wären, das das Kunststoffgehäuse berührt“, sagte Rowe. „Es gab umfangreiche Erörterungen zu diesem Thema. Und ich bin sicher, dass noch viele Diskussionen folgen werden, wenn die Richtlinien künftig wieder überarbeitet werden. Die Anwender werden Ihre Erfahrungen machen und der Arbeitsgruppe die Ergebnisse mitteilen.“

Die neue Ausgabe beinhaltet auch neue Technologien der Oberflächenmontage. Dazu zählen P-förmige und vorverzinnte Stoßlötstellen/I-Anschlüsse (Butt/I). Auch das Kapitel über Schutzbeschichtungen wurde maßgeblich überarbeitet.

 „Wir haben die Bewertung der Schutzbeschichtungen geändert und bieten neue Informationen zur Dicke, wobei wir berücksichtigen, dass sie im Umfeld der Bauteile variiert. „Darüber hinaus wurden die Abnahmekriterien für Blasen und Fehlstellen geändert und ein neuer Abschnitt zu transparenten Beschichtungen eingefügt.“

Wenn IPC-Richtlinien aktualisiert werden, ändert sich typischerweise, als Reaktion auf Rückfragen der Anwender, auch die Sprache. Der IPC ist ein weltweit aktiver Verband und bei der Aktualisierung der beiden Richtlinien war eines der wichtigen Ziele, die Lesbarkeit für all diejenigen zu verbessern, für die die Technologie neu ist. Außerdem sollte die Übersetzbarkeit der Richtlinien erleichtert werden. Mitglieder der Arbeitsgruppe haben sich auch der Themen angenommen, die Anwender in der Vergangenheit irritiert hatten.

 „Wir versuchen stets zu verstehen, was es den Leuten in der Produktion leichter macht, die Dokumente zu verstehen“, sagte Rowe. „Wir erklären viele Dinge und verweisen die Anwender, wenn sie bestimmte Dinge nicht verstehen, auf die Handbücher IPC-HDBK-001 und IPC-AJ-820, Assembly and Joining Handbook.“

IPC-A-610 und IPC J-STD-001 sind ab sofort im IPC-Online-Shop unter www.ipc.org/onlinestore erhältlich.